Schatzes yon Panagjurischte- PAVEL , PETKO, MIHAIL DEIKOVI
Die Entdeckung des Schatzes yon Panagjurischte, des zweifellos grossten in Bulgarien gefundenen antiken Goldschatzes, fief uberall grosse Oberraschung hervor, obwohl Silbergefasse, Ziergegenstande) Schmuck, sehr haufig auch Silber- und Goldmunzen nicht zu den seltenen Funden 1 gehoren. Von dem Luxus und der Pracht der reichen Thraker zeugen auch die Hugelgraber, in denen, linter den zahl
reichen wertvollen Gegenstanden, schone Silber- und Bronzegefasse, Schmuck, bemalte Keramik und viele andere2 vorkommen. Um dem Toten ihre Ehrerbietung zu erweisen, opferten offenbar die Angehorigen reicher thrakischer Familien einen Teil ihrer Schatze. Zu den wohlhabenden Thrakem zahlten vor allem die Feldberm oder Paradynasten, Fuhrer der thrakischen Stamme und Geschlechter, auch nach deren Einbeziehung in das K6nigreich der Odrysen.
Die Thraker bezogen diese Luxusgegenstande van den bekanntesten Werkstatten der Antike. Form und Ausschmuckung verraten haufig die geschmackvolle, gediegene Arbeit der beruhmten Werkstatten in Attika3. In anderen Funden ist die barbarische VorIiebe im altpersischen Reich der Achameniden fUr selfsame, Ungeheuer darstellende Formen und Omamente zu beobachten, die auf die Entstehung in den Handwerkszentren Kleinasiens4 hindeuten. Demnach stand Thrakien, bereits vor der Eroberung der ostlichen Welt yon den Makedoniern, mit Griechenland und Persien in Verbindung. Nach dem Jahr 350 v. u. Z., als der grosse makedonische Staat Thrakien einverleibte, wurde diese Fuhlungnahme noch enger.
Der Goldschatz yon Panagjurischte entstand in der zweiten HaUte des 4. oder in der ersten Halfte des 3. Jahrhunderts v. u. Z.5 In diesem Zeitraum yon hundert Jahren traten in Thrakien entscheidende Ereignisse ein: Urn das Jahr 350 v. u. Z. wurde das Land yon Philipp II. dem Makedonischen Reich einverleibt; um das Jahr 330 v. u. Z. bereitete sein Sohn, Alexander der Grosse, in Thrakien den persischen Feldzug vor; die Versuche der Thraker, die makedonische Herrschaft nach
Alexander dell Gross en (336 his 323), linter seinem ehrgeizigen Nachfolger, dell
Diadochen Lysimachos, abzuwerfen, der vom Feldherrn zum Statthalter und schliesslich zum Konig Thrakiens aufstieg und das Reich Alexanders wieder aufbauen wollte, erschopften vollstandig das Land. Dadurch wurde dem Vorstoss der Kelten Vorschub geleistet, die lwei Jahre nach dell Tode Lysimachos Thrakien iiberfielen und es im Jahre 278 v. u. Z. eroberten 6. Die Kampfe der Makedonier, die Aufstande der Thraker, die zahlreichen Kriege und der Einfall der Kelten schufen in den ostlichen Gebieten der Balkanhalbinsel eine unsichere, unruhige Lage. Daher grub die Bevolkerung zahlreiche wert volle Gegenstande sowie yon Philipp 11., Alexander dem Grossen und Lysimachos gepragte Miinzen ein. Auch der Goldschatz yon Panagjurischte wurde JUS diesem Grunde eingegraben. Der Zeitraum van hundert Jahren, den verschiedene Forscher als Entstehungszeit des Schatzes yon Panagjurischte angeben, ist durch entscheidende Veranderungen und
5 Ereignisse gekennzeichnet. Manche vermuten, dass er JUS den ersten Jahren dieser Zeit
VORWORT
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stammt, andere neigen claw, die Entstehung in die letzten Jahre zu verlegen. Einige Forscher betrachten den Goldschatz als Werk der attischen Toreutik. Andere suchen dessen Ursprung in Kleinasien. Die Datierung ist weitgehend mit clem Entstehungsort verbunden, da die klassischen griechischen Kulturstatten im 5. und 4. Jahrhundert v. u. Z. in Europa, die hellenistischen, dagegen, in Kleinasien lagen. Die Regierungszeit Alexander des Grossen zieht die Grenze zwischen den beiden Kulturen. Demnach ware zunachst die Frage zu beantworten, ob der Schatz vor I oder nach der Regierung Alexander des Grossen entstand.
In diesem Zusammenhang treten noch eine Reihe nicht weniger wesentlicher Fragen auf: Wie wurde der Schatz zusammengestellt? 1st er ein einheitliches Tafelgeschirr oder besteht er, wie die meisten antiken Schatze, ailS einzelnen Gegenstanden? Wem gehorten die Goldgefasse? Wann sah sich deren Besitzer gezwungen, sie in die Erde einzugraben? Welche Bedeutung hat der Schatz als QueUe der thrakischen Geschichte und Kultur? AUe diese Fragen beantworten die Kiinstler mit eigener Hand. Sie sind den Gefassformen, den Falten der Goldfolie, ailS der sie gearbeitet wurden, den unzahligen Lichtreflexen an der Oberflache, den DarsteUungen und OrnamenteD, clem Geschmack des Besitzers abzulesen. Dies ist die einzige Moglichkeit, diese Fragen zu klaren.
BESCHREIBUNG DES
GOLDSCHATZES
1m Dezember 1949 entdeckten Arbeiter beim Graben yon ZiegeUehm ganz zufallig mehrere Goldgefasse. Erst als sie mehrmals yon Hand zu Hand gewandert waren, begriffen die Arbeiter ihren Wert. Daher liegen our ungenaue Angaben fiber die
Lage des Fundes vor. Die acht Rhyta, Gefasse mit eiDer weiten Offnung ZUlli
Einschenken yon Wein am oberen und eiDer kleinen Trinkoffnung am unteren Ende, wurden auf clem neunten Gefass, der Phiale (Schale), ailS eiDer flachen Grube, zwei Kilometer siidlich der Stadt Panagjurischte, geborgen. In der Nahe sind weder Oberreste eiDer grosseren alten Siedlung noch Spuren eines monumentalen Gebaudes oder Palastes vorhanden, die fiber den Schatz Aufschluss geben konnten. Der wahrscheinlich in einem anderen Gebiet ansassige Besitzer sah sich wahl ge
zwungen, den mitgefiihrten Schatz an diesem art einzugraben.
Die Belin Gefasse ailS reinem Gold, die im Staatlichen Archaologischen Museum in Plovdiv verwahrt werden, sind nicht gegossen, sondern in der leichteren Technik
der Treibarbeit hergestellt, wonach das kalte Blech auf eiDer Unterlage mit clem Treibhammer geformt wird. Ein grosser Teil altthrakischer, ailS Gold gefertigter Gegenstande, darunter manche zweifellos ortlichen Ursprungs 7, sind Bach demselben Verfahren gearbeitet. Die goldene Oberflache ist stellenweise ziseliert, urn kleine Einze1heiten und Ornamente darzustellen.
Die Gefasse des Goldschatzes yon Panagjurischte sind in folgende Gruppen einzuteilen: a) Nr. 1 - 3 Rhyta in Tierkopfform; b) Nr. 4 Rhyton in der Form der Vorderansicht eines Tiers (Protome); c) Nr. 5 - 7 Rhyta in Form yon
Amazonenkopfen; d) verschiedene Gefasse: Nr. 8 Amphora-Rhyton, Nr. 9 Phiale.
l
6
R H Y TON N r. 1 (Abb. 2-5)
Das Rhyton Nr. 1 ist 13,5 cm hoch und wiegt 674,6 g. Der untere Teil hat die Form eines Elchkopfes mit grosseD, verzweigten, an den Enden gezahnten Schaufeln. Langskerben deuten die furchenartigen Vertiefungen am Geweih, ziselierte Punkte die unebene Oberflache an. Die teste Geweihbasis umreisst eine stark hervortretende Rosette. Am glatten Maul sind nor an Lefzen, Ohren und Nase Falten zu sehen. Kleine eingeschnittene Linien zwischen Geweih und Augen geben die Haare an. Die Wimpern sind an den Augenlidern ziseliert. Die leereD Augenhohlen waren wahrscheinlich mit Glas ausgefUllt. Der Tierkopf wird dadurch noch eindrucksvoller ausgesehen hateD. Die kleine ronde Trinkoffnung ist in der Mitte der unteren Lefze angebracht.
Der Rhytongriff, ein in einzelnen, Schilfrohrgliedern ahnelnden Trommeln aufgeteilter, mit eingeschnittenen einfachen geometrischen Mustern verzierter hohler run
der Stab, lauft am unteren Ende in einen am Gefass anliegenden Frauenkopf aus.
Das obere Ende zeigt tine Lowengestalt, die sich mit den Vordertatzen an der weiten Rhytonoffnung stiitzt.
Am Rhytonhals sind vier Gestalten zu sehen: am Griff (Abb. 2) die yon einem langen, armellosen Chiton zweimal umhiillte sitzende GoWn Athene mit Halsband und Armreifen. Das breit gewellte Haupthaar rahmt das in alIen Einzelheiten, wenn auch in kleinen Abmessungen dargestellte Gesicht ein. Nicht nor die Pupillen, auch die Regenbogenhaut der Augen sind ziseliert. In der linkeD Hand halt sit tineD Helm, mit der rechten stUtzt sie sich auf tineD mit strahlenformig angeordneten geometrischen Mustern verzierten Schild. Neben ihr sitzt Paris (Abb. 2 - 4), tine niedrige Kopfbedeckung liter clem gelockten Haar, das nor liter der Stirn hervortritt. Der Nackenteil der Kopfbedeckung reicht bis zu den Schultern. Er tragi phrygische Kleidung, kurzen Chiton und lange Beinkleider, die die iiber
7 einandergeschlagenen Beine his zu den niedrigen zugespitzten Schuhen bedecken.
Da acht yon den insgesamt neon Gefassen Rhyta (Trinkpokale) sind, ist diesel etwas liter 6,1 Kilogramm wiegende Goldschatz als Trinkgeschirr zu betrachten. Die Beschreibung erfolgt auf Grund eingehender Untersuchungen des Verfassers. Die Abmessungen sind der letzten Veroffentlichung uber den Goldschatz entnommen.
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A. RHYTA
IN
TIERKOPFFORM
Zu dieser Gruppe gehoren drei gleichartige Gefasse. Der untere Teil hat die Form tines Tierkopfs, der obert lauЈ1 in tine weite, mit Hochreliefs geschmiickte Offnung ailS. Das obert Ende des Goldblechs, ailS clem das Gefass besteht, ist im rechten Winkel randfOrmig umgebogen, an der oberen Stitt im Relief mit Peden, an der Aussenseite mit eiformigen OrnamenteD (Ovulen) verziert. Am unteren Ende der drei Rhyta ist an der unteren Lefze des Tierkopfs tine kleine Trinkoffnung angebracht.
Das dreizehn Zentimeter hohe Rhyton wiegt 689 g. Аusserlich unterscheidet es sich kaum von dem ersten. Der untere Teil bat die Form cines Elchkopfs. Offnung und Griff ahneln dem Rhyton Nr. 1. Nur die mit schilfrohrartigen Ornamenten verzierten Grifftrommeln sind durch senkrechte Kanne1ьren ersetzt. Auch die Darstellungen am Rhytonhals weisen einen Unterschied auto Die vier Gestalten bilden keine Einheit, da sie in zwei symmetrisch angeordneten Gruppen verteilt sind: Herakles im Kampf mit der kerynitischen Hirschkuh und Theseus im Kampf mit dem marathonischen Stier. Herakles (Abb. 7 -- 8) ist in ganzer Grosse, nackt, mit einem wehenden Lowenfell ьber der Schulter, fast jugendlichen, in
allen Einzelheiten, bis sur Regenbogenhaut des Auges, wie auf dem Rhyton Nr. 1, wiedergegebenen Gesichtszьgen dargestellt. Er haIt einen Elch am Geweih, der auch auf diesem, wie auf vielen anderen Denkmalern, die sagenhafte kerynitische Hirschkuh ersetzt. Unter dem Druck des rechten Beins, mit dem er ibn zu Boden gezwungen bat, biegt der Elch die Vorderlaufe cino Die feinen Striche an Korper und Hals deuten das Haarkleid an. Kleine glatie Kreise bezeichnen die im
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Der hinter dem Rьcken der Athene erhobene rechte Arm scheint etwas zu erklaren. ln der linken Hand hait Paris ein Szepter. Neben ihm sitzt Hera (Abb. 3-- 5), die rechte Hand auf der Thronlehne, in der lin ken das Ende des den Schoss bedeckenden Umhangs ьber einem langen Chiton, wie Athene. Vom Halsband hangt in der Mitte cine runde Verzierung herab (Abb. 5). Die Beine des Throns sind mit Palmetten geschmьckt (Abb.5). Zwischen Hera und dem Rhytongriff ist Aphrodite, die einzige stehende Gestalt, dargestellt. Auf dem Kopf tragt sie einen Schleier, ьber demlangen Chiton mit kurzen Armeln einen Umhang. Mit ciller fьr die Aphroditendarstellung (Abb. 5) typischen Gebarde ordnet die rechte Hand den Umhang, die linke hait das andere Ende. Ein Halsband mit ciller herabhangenden runden Verzierung und Armreifen sind der einzige Schmuck.
Die Gewilnder der drei Gottinnen sind mit йlUS drei Punkten gebildeten Ornamentell, die Chitone der vier Gestalten, einschliesslich Paris, in der Mitte mit einem Streifen gemustert, den an beiden Seiten cine punktierte Unie einrahmt. Alle Gestalten tragen Schuhe. Eine runde Schmuckspange (Agraffe) hillt fieras Umhang an der linken Schulter zusammen.
Da die vier Gestalten auf diesem F_hyton nicht die typischen Bildniszьge zeigen, wilren sie auch an den Attributen, der Korperhaltung, Kleidung und am fьr Sterb
liche bestimmten Schmuck kaum zu erkennen, wenn der Kьnstler ьber den Kopfen nicht ihre Namen 'AlhiVi, 'Aj,ЙЗX'iOPOз, "Hpx, 'Acfpo5:wj mit punktierter Unie eingetragen batte. Paris ist mit dem auch йlUS anderen Denkmalern bekannten Namen Alexander bezeichnet. Die vier Gestalten sind offenbar nicht zusammenhanglos nebeneinander abgebildet. Die griechische Mythologie nenni nur ein Ereignis, das Paris und die drei Gottinnen zusammenfьhrt. Auf dern Rhyton ist, folglich, das Urteil des Paris dargestellt.
R H Y TON N r. 2 (Abb. 6-8).
Das dreizehn Zentimeter hohe Rhyton wiegt 689 g. Аusserlich unterscheidet es sich kaum von dem ersten. Der untere Teil bat die Form cines Elchkopfs. Offnung und Griff ahneln dem Rhyton Nr. 1. Nur die mit schilfrohrartigen Ornamenten verzierten Grifftrommeln sind durch senkrechte Kanne1ьren ersetzt. Auch die Darstellungen am Rhytonhals weisen einen Unterschied auto Die vier Gestalten bilden keine Einheit, da sie in zwei symmetrisch angeordneten Gruppen verteilt sind: Herakles im Kampf mit der kerynitischen Hirschkuh und Theseus im Kampf mit dem marathonischen Stier. Herakles (Abb. 7 -- 8) ist in ganzer Grosse, nackt, mit einem wehenden Lowenfell ьber der Schulter, fast jugendlichen, in
allen Einzelheiten, bis sur Regenbogenhaut des Auges, wie auf dem Rhyton Nr. 1, wiedergegebenen Gesichtszьgen dargestellt. Er haIt einen Elch am Geweih, der auch auf diesem, wie auf vielen anderen Denkmalern, die sagenhafte kerynitische Hirschkuh ersetzt. Unter dem Druck des rechten Beins, mit dem er ibn zu Boden gezwungen bat, biegt der Elch die Vorderlaufe cino Die feinen Striche an Korper und Hals deuten das Haarkleid an. Kleine glatie Kreise bezeichnen die im
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Der hinter dem Rьcken der Athene erhobene rechte Arm scheint etwas zu erklaren. ln der linken Hand hait Paris ein Szepter. Neben ihm sitzt Hera (Abb. 3-- 5), die rechte Hand auf der Thronlehne, in der lin ken das Ende des den Schoss bedeckenden Umhangs ьber einem langen Chiton, wie Athene. Vom Halsband hangt in der Mitte cine runde Verzierung herab (Abb. 5). Die Beine des Throns sind mit Palmetten geschmьckt (Abb.5). Zwischen Hera und dem Rhytongriff ist Aphrodite, die einzige stehende Gestalt, dargestellt. Auf dem Kopf tragt sie einen Schleier, ьber demlangen Chiton mit kurzen Armeln einen Umhang. Mit ciller fьr die Aphroditendarstellung (Abb. 5) typischen Gebarde ordnet die rechte Hand den Umhang, die linke hait das andere Ende. Ein Halsband mit ciller herabhangenden runden Verzierung und Armreifen sind der einzige Schmuck.
Die Gewilnder der drei Gottinnen sind mit йlUS drei Punkten gebildeten Ornamentell, die Chitone der vier Gestalten, einschliesslich Paris, in der Mitte mit einem Streifen gemustert, den an beiden Seiten cine punktierte Unie einrahmt. Alle Gestalten tragen Schuhe. Eine runde Schmuckspange (Agraffe) hillt fieras Umhang an der linken Schulter zusammen.
Da die vier Gestalten auf diesem F_hyton nicht die typischen Bildniszьge zeigen, wilren sie auch an den Attributen, der Korperhaltung, Kleidung und am fьr Sterb
liche bestimmten Schmuck kaum zu erkennen, wenn der Kьnstler ьber den Kopfen nicht ihre Namen 'AlhiVi, 'Aj,ЙЗX'iOPOз, "Hpx, 'Acfpo5:wj mit punktierter Unie eingetragen batte. Paris ist mit dem auch йlUS anderen Denkmalern bekannten Namen Alexander bezeichnet. Die vier Gestalten sind offenbar nicht zusammenhanglos nebeneinander abgebildet. Die griechische Mythologie nenni nur ein Ereignis, das Paris und die drei Gottinnen zusammenfьhrt. Auf dern Rhyton ist, folglich, das Urteil des Paris dargestellt.
R H Y TON N r. 2 (Abb. 6-8).
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lr8.
Somlner auftretenden unbehaarten Stellen. Voter den Fьssen Herakles und den ElchHiufen ist der Boden angegeben. Die Keule, die standige Waffe des Herakles, liegt auf der Erde und verdeckt etwas die Vorderlaufe des Elchs.
Die zweite Gruppe, Theseus im Kampf mit denl marathonischen Stier, ist nach denlselben Schema aufgebaut. Theseus bat den Stier bei den Harnern gepackt und drьckt ibn mit dem linken Bein zu Boden, eine zur ersten Gruppe symmetrisch angelegte Darstellung. Der Held mit den fast kindIichen Gesichtszьgen tragt einen kurzen Umhang und eine wehende Chlamys ьber der Schulter. Die Spannung des Kampfes komtnt in dieser Gruppe besser zum Ausdruck. (Abb. 6 - 7).
ln beiden Szenen zwingen die Helden das besiegte Tier zu Boden. Das ьber den Tierkarper geschwungene Bein des Kampfers ist in beiden Darstellungen ziemlich hoch am Karper angesetzt. Dadurch erscheint die Karperhaltung unnatьrlich. Die Ьberwьrfe flattern den Oestalten nach, anstatt auf den Rьcken zu fallen. Die Vorderlaufe des Elchs und die Vorderbeine des Stiers erscheinen unnatьrlich eingebogen. Die Tiere sind, im Vergleich zurn Menschen, in kleineren Orassenverhaltnissen auf der runden Oberflache abgebildet. Diese schematische Darstellung ist, in Anbetracht der Anpassung an die Bildflache, durchaus berechtigt.
R H Y TON N r. 3 (Abb. 9-11)
Das 12,5 cm hohe, 505,05 g schwere Rhyton ahnelt in der Fornl den beiden vorangehenden. Der untere TeH stellt einen Widderkopf dar. Der Oewichtsunterschied dieses um mehr aIs 160 g leichteren Rhytons ist \N-ohl auf das fehlende, ailS massivem Gold gearbeitete grosse Geweih zurьckzufьhren. Der Widder tragt kleine, flache, viel leichtere Harner. Am glatten Maul sind nur an Lefzen, Augen, Nase, am wolligen Kopf und Hals Falten eingezeichnet. Das gelockte Haar deuten doppelte, konzentrisch eingeschnittene Kreise an. Voter den Augenlidern mit eingeritzten Wimpern waren Olasaugen eingeIegt.
Auch dieses Rhyton ist am Hals mit Reliefdarstellungen geschmьckt: an der Vorderseite, ьber dem Widdermaul, Dionysos und die Bacch lntin Eriope, zu beiden Seiten dieser Oruppe, in der Richtung des Griffs, je eine tanzende Bacchantin. Der auf einem Thron sitzende Dionysos (Abb. 9) wendet das jugendliche Oesicht, an dem das I--Iaar in Flechten auf die SchuItern faUt, Eriope zu, haIt ьber der Lehne rnit der Linken ihr_ Hand und in der Rechten den in einen Tannenzapfen auslaufenden Bacch3ntenstab (Thyrsos). Der entblasste Teil der Brust sieht fast weiblich JUS. Ein schwerer, die linke SchuIter bedeckender Ьberwurf hьllt Unterkarper und Beine ein. Eriopes um den Kopf gewundenes Haupthaar (Abb. 10) haIt ein Band zusammen. Sie tragt einen langen Chiton. Den Unterkarper bedeckt ein Umhang. Die Fussbank des Dionysos ist mit geometrischen Mustern, die der Eriope mit Efeublattern geschmЬckt. An den Kapfen der beiden OestaIten sind mit Punkten die Namen DionutoV, 'Hrioph eingezeichnet. Der Name der Manade
9 ist mit h und o anstatt mit e und w geschrieben.
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Die zwwei Bacchantinnen (Abb. 9--11) zu beiden Seiten der Gruppe sind fast in derselben Korperhaltung dargestellt. Sie tanzen mit emporblickenden Oesichtern in Iangen, geschьrzten Chitonen. Eine tanzt, einen Thyrsos in der rechten Hand,
mit herabgelassenen Armen (Abb. 9), die andere schlagt mit erhobenen Armen eine Handtrommel (Tympanon) (Abb. 10 und 11). Der durch die rasche Bewegung von der Schulter geglittene Chiton lasst die Brusthalfte frei.
B.
RHYTON IN
DER FORM DER VORDERE 1 NES T 1 ERS (P ROT 0 M E)
R H Y TON N r. 4 (A b b. 12--16)
Das 14 cm lange, 439,05 g schwere Rhyton unterscheidet sich in Oewicht und Form
wesentlich von den ьbrigen. An der Offnung ist ein ahnlicher, an der oberen Seite mit Perlenornamenten und an der Aussenseite mit eiformigen Mustern (Ovulen) verzierter Rand im rechten Winkel herausgebogen. Reliefdarstellungen schmьcken den Hals. Der untere Teil des Rhytons Nr. 4 lauft aber nicht in der Form eines Tierkopfs, sondern in der Vorderansicht eines Ziegenbocks (Protome) aus. Die sorgfaltige, auf aIle Einzelheiten eingehende Darstellung zeichnet die Falten an Maul, Nase und Augen. Das glatie Maul des Ziegenbocks hebt sich von den langen Bart-, Stirn- und Halshaaren ab. Das I-Iaarkleid an den Vorderbeinen deuten flanlmenformig stilisierte Strahnen an. Auffallend ist die wahrheitsgetreue anatomische Nachbildung der Beine. ln der Brustmitte, zwischen den Beinen, ist die Ausflussoffnung angebracht. Die ungewohnlich langen Horner sind nach hinten eingebogen. Die unterschiedliche Form des unteren Teils verleiht dem Rhyton ein viel schlankeres Aussehen. Da es dьnner und hoher aIs die ьbrigen ist, kann die Hand es am dargestellten Tierkorper bequem umfassen. Daher ist kein henkelartiger Griff vorhanden. Obwohl a uch auf diesem Rhyton vier Gottheiten dargestellt sind, ermoglicht die henkelfreie Oberflache eine andere Kompositionsanlage der Reliefgestalten.
Die auf einem Thron sitzende Hera wendet den Blick zur TiergestaIt (Seitenansicht Abb. 12 und 15, Vorderansicht Abb. 16). Eine Hand hebt den Schleier, der das Haar bedeckt (Abb. 14), die andere hangt am Korper herab und haIt einen Henkelbecher (Patera) (Abb. 15 - 16). Das Gesicht ist, ebenso wie auf den anderen Pokalen, in allen Einzelheiten, bis zur Regenbogenhaut der Augen wiedergegeben. Den langen, armellosen Chiton halten an beiden Schultern runde Agraffen zusammen. Unterkorper und Beine .hьllt ein Ьberwurf ein, dessen Gewebe aus je drei Punkten zu_ammengesetzte Ornamente verzieren. Neben Hera steht Artemis (Abb. 14) in einem langen armellosen Chiton, der ihren Korper zweimal umhьllt. Das Haar fallt in einer Flechte auf die SchuIter. ln der linken Hand haIt sie einen Bogen. An der anderen Seite der Hera steht Apollo (12 und 15) in einem Ьberwurf, der eine Schulter und den Unterkorper bedeckt, einen Bogen in der Hand. Das lange geflcchtene Haar reicht bis zu den SchuItern. Z wischen Apollo
und Artemis, an der Rьckseite des Rhytons, ist die beflьgeIte Siegesgottin Nike (Abb. 13 und 15) in ganzer Grosse abgebildet. Das zurn Pferdeschweif gebundene 10
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Haar reicht bis zur linken Schulter. Ein langer, an der Brust von einer runden Agraffe zusammengehaltener Chiton hьllt zweimal den Korper ein. Eine Hand haIt ein Band, die andere den Salim des Chitons. An einem Flьgel sind die Federn mit kleinen bogenformigen Linien, an dem anderen mit Fischgratenmustern angegeben. Die bewegte Korperhaltung Apollos, Artemis und Nikes tritt am eindeutigsten in der Darstellung der Siegesgottin hervor. Alle Gottheiten tragen Schuhe. Nike ist n1it einetn Halsband geschmьckt. Neben den Kopfen sind folgende Namen mit punktierter Linie eingetragen: ²Hrh, ArtemiV, Apollwn, Nich.
C.
RHYTA lN KOPFEN
DER
FORM
VON
A MAlO N E N
lu dieser Gruppe gehoren drei gleichartige kannenahnliche Gefasse in der Form eines weiblichen Kopfes. Der umgebogen Rand der Offnung ist an der oberen Seite mit einem Perlenornament, an der ausseren mit eiformigen Mustern (Ovulen) verziert. Die drei Gefasse haben einen vierkantigen Griff, der oben in eine beflьgelte Sphinx mit langem geschwungenem Schweif auslauft. Die abgebrochenen Flьgel der einen Sphinx sind bei der Entdeckung des Schatzes abhanden gekom
men. Der Hals des weiblichen Kopfes, der die Gefassform bestimmt, weitet si ch zurn Gefassboden ailS. Die am unteren GefassteiI, im Maul eines lowenkopfformigen Medaillons angebrachte Trinkoffnung unterscheidet diese Gefasse von den ьblichen Kannen und zeigt, dass sie aIs Rh y ta verwendet wurden.
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R H Y TON N r. 5 (A b b. 17 - 19, 24)
Der Hals des 21,5 cm hohen, 460,75 g schweren Rhytons ist von dem Gefasskorper durch ein Gьrtelmuster ailS eiformigen Ornamenten (Ovulen) getrennt, wie sie an der Aussenseite des umgelegten Offnungsrandes zu sehen sind. Der Gefasskorper bat die Form eines weiblichen Kopfes.
Das Haupthaar ist durch leicht gebogene, eingeritzte Linien in Strahnen dargestellt. Ein dьnner, mit kleinen Sternen und Mustern ans je drei Punkten verzierter Schleier umhьllt das Haar am Hinterkopf (Abb. 17). Das untere gesaumte Schleierende ist mit einem wellenformigen Ornament geschmьckt (Abb. 24). ln der Mitte der Stirn, ьber den Haarlocken, haIt ein Knoten den Schleier zusammen. Eine Punktlinie umreisst in der Mitte, ьber der Stirn, einen undeutlichen Gegenstand, wahrscheinlich eine Haarspange (Abb. .18)". Das Gesicht ist durch breite, ineinander ьbergehende Flachen gestaltet. Die Augenbrauen sind nicht .._iseliert, sonderll our durch den Rand ьber dem Augapfel angedeutet. ln den Augenhohlen war Glas eingelegt. Bezeichnet sind our die Wimpern. Der si ch nach unten ausweitende Hals des weiblichen Kopfes bildet den Rhytonboden. Ein Band
ailS reliefartig dargestellten kleinen Glasperlen, die mit blattformigen Verzierungen wechseln, schmьckt den 1-Ials. Dazwischen, in der Mitte, ist der Lowenkopf mit
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der Trinkoffnung angebracht (Abb. 17, 18). Das Halsband bat am Nacken einen besonderen Verschluss ailS drei langlichen Perlen (Abb. 24). Die beflьgelte Sphinx anl oberen Griffteil ist viti ausfьhrlicher dargestellt aIs der weibliche Kopf. Dds Haar Ul11gibt wie ein geflochtener Kranz den Kopf. Das Gesicht weist zahlreiche kleine Einzelheiten auf. Auch die sichelformig geschwungenen Flьgel sind bis ins kleinste durch ziselierte Federn ausgefьhrt. Bei diesem Gefass ist gleichfalls ein Un terschied in der Flьgeldarstellung festzustellen. Die Federn sind verschieden stilisiert. Der Griff latin in cine mit der Spitze nach unten gerichtete Palnlette ailS. Darunter, auf dem Schleier, ist noch cine Palmette n1Пt nach oben gerichteter Spitze zu sehen.
R H Y TON N r. 6
(A b b. 19-21, 24)
Das 22,5 cm hohe, 466,75 g schwere Rhyton ist das einzige Gefass des Goldschatles, das grosseren Schaden erlitten bat. Die Stьcke der am oberen Flьgelende abgebrochenen Sphinx fehlen. ln der Form unterscheidet sich dieses Rhyton kaum von deln vorangehenden. Geringfьgige Unterschiede zeigen Dur die eingravierten Verzierungen. An dem Halsband des weiblichen Kopfes hangen die Blatter in zwei Reihen, zwischen den Glasperlen am Halsband des vorangehenden Rhytons, dagegen, in eiDer Reihe. Die Sphinx tragt am unteren Ende gravierte Ohrringe.
R H Y TON N r. 7
(Abb. 19,22-24)
Das 12,5 CIll hohe und 387,3 g schwere Rhyton unterscheidet sich in Fonn und Gewicht von den vorangehenden.
Die obere Gefassoffnung bat keinen umgebogenen Rand, der den oberen Teil des Gefasses VOI11 Bauch trennt. Der weibliche Kopf ist nicht, wie bei den ьbrigen, nlit einenl Schleier, sondern mit einem Helm bedeckt. Ьber den gewellten Haarstrahnen, die den Frauenkopf einfassen und ailS dem Helm hervortreten, sind an den Seiten zwei grosse Greife zu sehen. Die Form, die leicht vorgeneigte, aIs Gefassteil behandelte Offnung des Rhytons, erinnert an einen thrakischen Helm, wie ibn Paris auf dem ersten Rhyton tragt. Ьber Stirn (Abb. 22) und Ohren zeichnet sich die Helmform deutlich ab. lu beiden Seiten der Ohren hangt VOI11 Helnl ein durchgehender Nackenschutz herab, der sich am Rьcken bis zur Bodenlinie des
Rhytons (Abb. 24) deutlich abhebt. Er latin nicht in ein Schleierende, wie ZUl11 Teil falschlich angenommen wird, sondern in einen harten Rand ailS.
Auch die zwei ungewohnlich grossen Greife sind aIs Helnlverzierung durchaus geeignet. Die Darstellung behandelt auch auf diesem Rhyton vicie Einzelheiten: lm Greifenschnabel sind labile, an den Tatzen lehen und Krallen zu sehen. Kleine halbkreisformige Federn bedecken die vordere, langliche Federn die hintere Seite
der Flьgel. Beide Seiten sind mit eingeritzten Linien ausgefьllt (Abb. 23). Die 12
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ьber die Rьckseite des Helms (Abb. 24), zu beiden Seiten der Palmettл tinter dem Rhytongriff dekorativ geschwungenen FIЬgei decken die Schweife. Ein aIs Relief gearbeitetes Band veriauft vфm Helmende hinter den ()hren und bildet ьber der Nackenn1itte einen Knoten, dessen Enden herabhangen. Es haIt das Haar zusammen, das durch die zerfurchte Oberflache der FIЬgel und Sehweife an1 Hinterkopf angedeutet ist. Derartige Bander am HeIm, nicht im Haar, die <luf eine hйllenistische Tradition zurьckgehen, kon1men auf den in Thrakien gлfыndenen Maskenhelmen 8 var. An einem zweiten Band hangt ein Haisband mit einem lлwenkopfformigen Medaillon. Am Lowenmaul, am Boden dieses Rhytbns, iS1 die Trinkoffnung angebracht.
Die drei aIs weibliche Kopfe gestalteten Rhyta liefern ausreichende. Angaben fЬr die Deutung der gewahlten Forn1. Der Kopf des Rhytons Nr. 5 und Nr. 6 is1 mit einem von kleinen Sternen verzierten Schieier b2deckt. ln den Kunstwerk en
des Altertums 1ragen gewohnlich die Amazonen mit kleinen Stern en besate Gewander. Der phantastische, sogenannte thrakische oder phrygisc:he Helm, der auf zahlreichen Amazonenbildern vorkomlnt, bedeckt den Kopf des Rhytons Nr. 3.
,Daraus ist zu schliessen, dass die drei letzten Rhyta Alnazonenkopfe darstellen 9.
D.
VERSCHIEDENE GEFAS SE
A M P H 0 R A - R H Y TON N r. 8
(Ab b. 25 -34)
Die 29 cm hohe und 1695,25 g wiegende Amphora des Goldschatzes Von Panagjurischte ist nicht nur das grossie und schwerste, sondern auch das inter'essanteste Gefass des bedeutenden Fundes.
Wie die meisten Gefasse ist auch die Mьndung der Amphora mit einent u'mgebogenen, an der oberen Seite mit ailS der Oberflache hervortreterrden Perlen, an der senkrechten mit eiformigen Ornamenten (Ovulen) verzierten Offnungsrana vкrsehen.
Ein zweiter Ovulengьrtel verlauft an der Al11phora zwischen dem glattйn Hals und
dem reich verzierten Bauch, wie bei den Rhyta Nr. 5 und 6. Eine вtirchgehende Szene umgibt die gewolbten Gefassflachen. Ein Kranz aus Lotosblattern umrahmt die Szene an der oberen Seite, ein ahnlicher Palmettenkranz grenzt sie an der unteren Seite ab und fasst den Boden ein. Auch der halbkugelformig gйwolbte
Boden ist mit Darstellungen und Ornamenten bedeckt. ln der Griffachse, вm un..
teren Kranz, sind zwei Negerkopfe, je einer un ter jedem Griff, angйbrdnet. Sie sind am besten an der Seitenansicht (Abb. 33- _34) und an der Vorderansicht des Gefasses (Abb. 32) zu erkennen. Krauses Haupthaar" Glotzaugen, breitи zusammen
gedrЬckte Nase und weit offener Mund, aus dem der lnhalt der Amphora ausfliesst,
kennzeichnen die Negerkopfe. Die Amphora ahnelt den drei Rhyta in der Form von Amazonenkopfen, bel denen die Trinkoffnungen im Maui der zwei kleinen Lowenkopfe verborgen sind. Auch aus der Amphora konnen zwлi Personen gleichzeitig JUS den Offnungen am Mund des Negerkopfes trinken, wob_i jeder das
13 Gefass an den gegenьberliegenden Henkeln haIt. Diиser Brauch gиhorп_ bei den
r-
alten Skythen zut feierlichen Handlung der Verbrьderung. Die Amphora ist folglich ein Rh y ton, ein T rinkpokal fьr zwei Personen 10 .
Der untere Henkelteil ist von senkrechten Kannelьren ьberzogen, der obere latin in cine kleine, sorgfaltig, in allen Einzelheiten, mit dichtem, nicht langem Haupthaar und Bart dargestellte Zentaurengestalt ailS. Die behaarte Brust und das Fell des Pferdekorpers sind durch eingravierte Punkte angedeutet. Die Beine enden in Hufen. Die Arme der beiden Figuren fьhren etwa in Brusthohe Gebarden ailS. Die Gesichter weisen zahlreiche Einzelheiten auf. Die Korper zeigen einen anatomisch richtigen Aufbau.
FRIES AN DER AMPHORt
Die durchgehende Szene an der ()berflache der Atnphora wird durch die Zeichnung der Tьr eines antiken Gebaudes unter dem einen Henkel (Abb. 26) in zwei Teile gegliedert. An den zwei Tьrflьgeln sind eingeschlagene Nagel mit breiten dekorativen Kopfen eingezeichnet. Der obere Querbalken des Tьrrahmens ist durch an der oberen Seite hervortretende Perlen, an der unteren Seite mit eiformigen Ornamenten (Ovulen), die Schwelle nur mit Ovulen verziert. Die Tьr rahmen zwei Saulen mit ionischen Kapitellen ein. Ьber jedem Kapitell ist ein Lowenkopf zu sehen, der wahrscheinlich das Gesims des C1ebaudes schmьckt. Aus den etwas geoffneten TьrflЬgeln dringen die Hande und ein Teil des kahlen Kopfes eines bartigen Mannes hervor, dessen Ausdruck Angst verrat. Er fьrchtet sich var den
flint Soldaten, die auf dell1 unebenen, ansteigenden Boden den Mann verfolgen. 1111
Vergleich mit der TЬr und der dahinter verborgenen Gestalt sind die Abmessungen der Soldaten viel grasser. ln dieser Szene versucht der Kьnstler die Handlung perspektivisch darzustellen: il11 Vordergrund die laufenden Soldaten, deren Ьberwьrfe in breiten dekorativen Falten П111 Winde wehen, in1 Hintergrund die Tьr. Die ersten vier Soldaten schwingen Schwerter, der letzte fьnfte blast ins Kampfhorn. Alle Gestalten ha ben ьbertrieben starke, geschwellte Muskeln. Der Gesichtsausdruck verrat Spannung. Kleidl1ng und V./ affen \veisen zahlreiche Einzelheiten auf: Saull1 des KleidungsstЬcks, Agraffe. Schulterrietnen, an deln die Scheide hangt, Schwertgriff in der FortH eines Schlangenkopfes. Nicht weniger deutlich sind auch die Gewebemuster des Ьberwl1rfs: eine Gruppe von Punkten schmьckt das Gewand des ersten (Abb. 26) und des vierten Soldaten (Abb. 28), eine Gruppe ailS drei Punkten den Staff des zweiten (Abb. 27) und des fЬnften (Abb. 31) Soldaten. Nur der Ьberwurf des dritten Soldaten (Abb. 28) ist durch einzelne Punkte verziert. Mit Ausnahme des dritten (Abb 28), tragen alle Soldaten Barte.
An der anderen Selle der Tьr unterhalten sich in aller Ruhe zwei Manner und stьtzen sich dabei auf knorrige Stocke, 'Nie sie in den Heldenbildern ailS dem AItertum vorkomn1en. Foiglich sind die Gestalten dieser Szene Helden Beide tragen einen Ьberwurf und Schulterriemen, an den en Schwerter hangen. Das mit Punkten in Blattform verzierte Ge\vand des Ьlteren bartigen Helden fallt \on der linken Schulter herab, bedeckt den l TnterkЬrper und diC' Beine ьber den blossen Fьssen
Den Ьberwurf saumt e.ine Bnrk 1nit dnge_til'kt: 'Ill Ffeuzweig etn fn der linken
14
Hand hait er einen undeutlichen Gegenstand, vermutlich ein halbkugelformiges Gefass, und weist mit dem Zeigefinger der rechten darauf (Abb, 30, 31). Die andere Gestalt tragt denselben, mit Punkten in Blattform verzierten Ьberwurf. _artflaum bedeckt die Wangen. Nicht aUzu langes Haupthaar rahmt das Gesicht ein. Der junge Held blickt in die Richtung, die der Altere weist, und streckt dabei den Daumen und Zeigefinger der rechtenHand, aIs wolle er den Abstand zwischen den beiden Fingern zeigen. Der Korper der jungen Gestalt faUt durch weibliche Anmut auto Die mit eiDer Art hohen Stiefeln bekleideten Fьsse stenen auf der tinter den beiden GestaIten angedeuteten Bodenlinie.
Die fьnf GestaIten an der einen und die zwei an der anderen Seite der Tьr bilden keine geschlossene Szene. Daher kehren der blasende Soldat, aIs Ietzte Gestalt der einen, und der Jьngling, aIs Ietzte, Gestalt der anderen Gruppe11, einander den Rьcken zu (Abb. 31).
DARSTELLUNOEN AM AMPHORA_BODEN
Die zwei Negerkopfe tinter dem Kranz, der die Szene auf der Amphora von den Darstellungen auf dem Boden trennt, sind bereits bescl1fieben. Den Mittelpunkt des Bodens schmьckt eine fьnfblattrige Rosette. Die Achse, die die Negerkopfe mit der
Rosette verbindet, teilt den Boden in zwei gieiche Felder auf, in denen je cine Szene in der gleichen Lage dargestellt ist: ein Kind im Kampf Init zwei Schlangen (Abb. 34), offenbar Herakles, der aIs Kind zwei Schlangen totet, und SHen (Abb. 33) mit lockigem Haar, Bart, Efeukranz und einem mit Ornamenten zu je drei Punkten verzierten Oberwurf, der die rechte Schulter frei lasst. ln der linken Hand halt er eine Doppelflote, in der rechten einen Kantharos mit hohem Fuss, dessen Seiten ein Blatterkranz ziert. Die zwei Gesichter sind in allen Einzelheiten dargestellt. Die nackten Korper, var allem des Kindes Herakles_ sind ungeschickt und mangelhaft gezeichnet.
INSCHRIPT AN DER AMPHORA-OPFNUNO
An der Innenseite der Offnung sind zwei Zeichen nebeneinander eingetragen: W gJ. Das erste ist zweifellos _ in der Fonn, in der es wahrend der klassischen und helIenistischen Epoche geschrieben wurde. Den Umrissen des zweiten Zeichens ent
spricht kein griechischer Buchstabe. Dies veranlasst zut Annahme, dass es sich um
eine Buchstabenverbindung (Ligatur) handelt. ln der Zeit, ailS dиr der Goldschatz
stammt, wurden Ligaturen gewohnlich zut Bezeichnung von Zahlenbrьchen verwendet. Daher drьckt das erste das Zeichen _ wahl einen Zahlenwert, das zweite, die Ligatur, einen Zahlenbruch ailS. Das erste Zeichen _ entspricht aIs Wext der Zahi 200, das zweite ist in die zwei Zeichen aufzuteilen, ailS dиnen es besteht: das Zeichen in der Form des Buchstaben C bedeutet _, das andere, eine waagerechte, an einem Ende leicht eingebogene kleine Linie, ist das Sigel fьr 1 Obolos. Foiglich ist die Inschrift aIs Zahi zu lesen. Auf Gold- und Silbergefassen sind haufig Zahlen eingetragen. Sie geben meistens das Gewicht an, Goldgefasse wurden
15 nach dem Goldgewicht gewogen, dвs mit der Goldmьnze Stater ьbereinstimmt" Die
c.
zwei Zeichen haben demnach folgende Bedeutung: Die Zahl 200 bezeichnet 200
Statere, der Bruch _ - einen halben Stater oder eine+ Drachme, das Sigel
fьr Obolos- _ des Drachmengewichts. Die Inschrift mьsste demnach 200 Statere,
1 Drachme und 1 Obolos bedeuten und, na ch dem alphabetischen System der
2
Zahlenbezeichnung, dem Oewicht von 1695,25 g entsprechen.
PHI ALE N r. 9 (A b b. 35-38)
Von allen anderen Oefassen unterscheidet sich die Phiale durch die rein gelbe Farbe des Ooldes ohne rotlichen Einschlag. Die ronde Schale mit dem Durchmesser von
25 cm ist 3,5 cm hoch und wiegt 845,7 g.
Der schmale, massive Rand an der Peripherie ist nicht verziert. Die ganze OberHache des Oefasses ist mit von der Aussenseite zu betrachtenden Ornamenten
ьberzogen (Abb. 36), die um den Nabel (Umbo) im Mittelpunkt konzentrische Kreise
bilden. Der kleinste Kreis besteht ailS ganz kleinen Rosetten, der nachste ailS viel
grosseren Eicheln, worauf drei Kreise ailS noch grosseren Negerkopfen folgen.
Zwischen den Kreisen sind an den Seiten Ornamente ailS Lotosb1ьten und Palmetten verteilt. An der Innenseite der Phiale ist eine Inschrift ailS zwei durch Ligatur verbundenen Buchstaben eingraviert: !-LU.
Von den zwei weiteren Inschriften am Rand der Aussenseite bedeutet der an einer der letzten Palmetten verborgene Buchstabe H die Zahl 100. Das zweite, darьber
eingetragene Zeichen: H, das SChOll wegen der Lange nicht zu verbergen ist,
bedeutet 196 Drachmen und cc _ Obolos. Das erste Zeichen gibt das Ooldgewicht des Oefasses an und ist aIs 100 Statere zu lesen, das zweite, wie ailS dem besonderen Drachmensigel hervorgeht, gibt das Oefassgewicht in Drachmen an. Da die
Drachme ein Silbergewicht ist, wurde bei der Wiegung des Ooldgefasses aus
drьcklich das Drachmensigel eingetragen. Offenbar war zunachst die Zahl H, d. h. 100, eingezeichnet. Diese Oewichtsangabe war dem Kunden wahl nicht gelaufig,
worauf die Werkstatt das Oefass auch in Drachmen verwog. Beide Oewichte der Phiale sind nach dem akrophonischen System geschrieben, das dem fьr Zahlenbezeichnungen ьblichen alphabetischen vorausgeht.
0 A T 1 E R U N 0, U R S P R U N 0 UND ART 0 E S OOLDSCHATZES
Der Schatz von Panagjurischte ist ein Satz ailS Rhyta, die sehr selten Verwendung fanden. Unter den vier Arten ist die aIs Rhyton geformte Amphora zweifellos das seltenste und interessanteste Oefass. Die Trinkoffnungen fьr zwei Personen gehen auf einen ostlichen Brauch zurьck. Das einzige, in Sinope, an der sьdlichen Kьste
des Schwarzen Meeres gefundene Oegenstьck zu dieser Amphora wurde erst na ch der Veroffentlichung des Schatzes von Panagjurischte12 bekannt. Beide Amphoren
haben eine grosse Аhnlichkeit. Der glatte Oefasshals ist von einem Kranz aus ei
formigen Ornamenten (Ovulen) und darunter von einem zweiten aus Palmetten und
Lotosblattern umgeben. Der Bauch der Amphora йlUS Sinope ist mit senkrechten Kan
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neluren, der Amphora aus Panagjurischte mit einer ganzen Szene geschmuckt. Am Boden beider Gefasse ist eine Rosette zu sehen. An der Amphora ailS Sinope bedeckt sie den ganzen Boden, an der Amphora ailS Panagjurischte nimmt sie our den von Darstellungen umgebenen Mittelpunkt ein. Beide Gefasse haben einen halbkugelfOrmigen Boden mit zwei Trinkoffnungen und tiergestaltigen Henkeln: Ziegenbock (Sinope) und Zentaur (Panagjurischte).
Die zwei Amphora-Rhyta zeigen die weiter entwickelte Form eines ailS den Hugelgrabern bei Duvanli13 bekannten Amphoratyps mit tiergestaltigen Henkeln: Stier, Pferd, Ziegenbock, Widder, der wahrend des 5. und 4. Jahrhunderts v. u. Z. in Kleinasien weit verbreitet war. Vermutlich stammt dieser tinter persischem Einfluss entstandene ionische oder tinter ionischem Einfluss entstandene persische Amphoratyp JUS den Werkstatten der Achameniden in Kleinasien. Die Abbildungen an Henkeln, Bauch und Boden der Amphora ailS Panagjurischte zeigen zweifellos, im Vergleich zu den ubrigen Gefassen, den starksten hellenistischen Einfluss.
Daraus ist zu schliessen, dass die Amphora nicht our ostliche, sondern auch eindeutig achamenidische oder persische sowie griechische Elemente aufweist. Diese Eigenart ist auch an allen ubrigen Gefassen des Goldschatzes zu beobachten. Die vier tierkopfformigen Rhyta sind mit JUS der griechischen Mythologie bekannten Gotterszenen geschmuckt. Es gibt wahl kaum eine typischere griechische Szene aIs
Paris mit den drei Gottinnen Athene, Hera und Aphrodite, wie auf dem Rhyton Nr. 1. Auffallend ist dabei, dass, trotz der bezeichneten griechischen Gotternamen, dieses und die ubrigen Rhyta keinen nackten Korper zeigen, dessen Darstellung so eng mit der Entwicklung der griechischen Kunst und Plastik verbunden ist. Zahlreiche Kleidungsstucke bedecken den Korper der Gottinnen, die schweren Ьberwurfe lassen our die Schultern und Unterschenkel der Gotter frei. Die Vorliebe fur bekleidete Gestalten ist kein Merkmal der griechischen, dafur aber der persischen Kunst. Daher wird sie mit. Recht aIs persische Tradition in der hellenistischen Kunst Kleinasiens betrachtet 14.
Bei den nackten Gestalten findet die Kleidung, die our einen Teil des Korpers bedekt oder aIs Hintergrund dient, aIs Draperie Verwendung, eine Eigenart, die sich in der hellenistischen Kunst von Pergamon stark verbreitet und weiter entwickelt hat. Ebenso sind auch die Oestalten am Bauch der Amphora dargestellt. Am Ooldschatz von Panagjurischte fallt noch eine Reihe interessanter Einzelheiten auf. Der nackte Korper ist anatomisch verzeichnet, zum Teil sogar ungeschickt wiedergegeben: der Arm der Aphrodite auf dem Rhyton Nr. 1 ist unnaturlich eingebogen; das Bein des Theseus und Herakles auf dem Rhyton Nr. 2 ist am Korper viel zu hoch angesetzt; der Korper Dionysos und Appollos auf den Rhyta Nr. 3 und 4, Silens und des Kindes Herakles auf dem Amphorenboden, die mit Schwertern bewaffneten Hande in der Komposition am Amphorenbauch sindunrichtig und plump dargestellt. Ьberzeugend ist dagegen der Faltenwurf und der tinter dem Gewebe angedeutete Korper gestaltet. Die ungeschickte Darstellung des nackten Korpers ist der griechischen Kunst fremd. Die Gefasse des Goldschatzes von Panagjurischte zeigen, dagegen, viele Einzelheiten der Kleidung. Die Chitone der
17 Gotter auf dem Rhyton Nr. 1 sind, z. 8., in der ganzen Lange mit einem durch
gehenden senkrechten Streifen verziert. Ahnliche, wenn auch andersfarbige Streifen kommen an den Chiton en der Wandbilder im Grabmal bei Kasanlak var, die manche Forscher aIs Merkmal der Bekleidung am persischen und makedonischen Hofl5 deuten. An fast allen Gewandern ist der Salim, am Ьberwurf des alteren Helden auf der Amphora, der sich mit einem jьngeren unterhaIt, auch eine breite, mit einem Efeuzweig bestickte Borte zu sehen. Der Kьnstler versuchte durch willkьrlich oder in Gruppen zu je drei Punkten sowie in Blattformen angeordnete Punkte Stoffmuster oder Stickereien nachzuzeichnen. Die Einzelheiten des Gewebes und der Verzierungen des Gewandes geIten aIs typisches Merkmal der hellenistischen Kunst in Kleinasien 16. Die VorIiebe fьr bekleidete GestaIten, die Mangel in der Darstellung des nackten Korpers, die Neigung zur Darstellung des Fa Itenwurfs , der Stoffe und Gewebemuster sowie die Art der Kleidung zeigen, dass der Goldschatz nicht in einem Gebiet entstanden ist, das aIte griechische Kunsttraditionen pflegte, sondern ailS dem hellenistischen Osten stammt, der die persischen Traditionen noch nicht vollstandig ьberwunden batte.
Den hellenistischen Charakter des Goldschatzes verraten eindeutig die dьnnen Ьberwьrfe, tinter denen die ChitonfaIten und Korperformen angedeutet sind, die anspruchsvollen Schleier der Gottinnen (Rhyton Nr. 5, 6), der phantastische Helm (Rhyton Nr. 7), die Darstellung komplizierter Haartrachten, z. B. der Siegesgottin Nike (Rhyton Nr. 4), die Halsbander und Armreifen der Gottinnen, die sie zu Sterblichen herabwьrdigen, und schliessIich die Wiedergabe der Knopfe und Agraffen.
Auf den hellenistischen Ursprung wei sen auch noch andere Merkmale hin: der tinter den Fьssen des Herakles und Theseus auf dem Rhyton Nr. 2 sowie in der Szene der angreifenden Soldaten an der Amphera angedeutete Erdboden, die perspektivische Verkьrzung der im Hintergrund befindIichen Gegenstande an der Amphora. Die Gesichter haben die klassische edle Schlichtheit und stille Grosse eingebьsst. Sie sind viel bewegter, denn der Kьnstler bat versucht, den augenblicklichen Gemьtszustand durch ein Lacheln, die Wut der Soldaten an der Amphora durch den
Gesichtsausdruck, die damit verbundene Spannung durch die stark hervortretenden Muskeln auszudrьcken. Die Gestalten sind von dem Pathos erfьllt, das fьr die hellenistische Kunst nach dem 4. Jahrhundert v. u. Z. so typisch ist 17, Nach Lysippos entstehen Werke, die sich nicht our in die geistige Welt des Menschen vertiefen, sondern auch Rassemerkmale untersuchen. Die Negerkopfe am Boden der Phiale und der Amphora zeigen aIle besonderen Merkmale der schwarzen Rasse: gekrauseltes Haar, weitgeoffnete Augen, eingedrьckte Nase und breite Lippen. Die Kьnstler- dieser Zeit untersuchen auch Tierrassen. Die Rhyta Nr. 1 und 2 zeigen das Geweih einer bestimmten Hirschart, des Elchs; am Hals des Rhytons Nr. 2 sind sogar die im Sommer am Fell vorkommenden Flecke vorhanden. Alle diese Merkmale schliessen jeden Zweifel ьber die Zugehorigkeit des Goldschatzes zur hellenistischen Kunst ailS.
Die genaue Datierung wird durch die Gefasse erleichert, die die abgebildeten Gestalten in den Handen halten. Die Phiale in der Hand der Hera (Rhyton Nr. 4) kommt in einer langen Zeitperiode wahrend des 5. und 4. Jahrhunderts v. u. Z.
var und ist daher nicht aufschlussreich. Angaben liefert eher das halbkugelfor
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mige Gefass in den Handen des einen sieh unterhaltenden Helden an der Amphora und var allem der Kantharos mit hohem Stiel und Kranzsehmuek am Boden der Amphora. Ahnliehe halbkugelformige Sehalen und mit Kranzen verzierte Kanthari kommen haufig in Funden ailS dem 3. Jahrhundert v. u. Z. var, die an Hand des Sehatzes von Tarent, Sьditalien, zu datieren sind, da er ailS Gefassen beider Typen testent. Er wurde im Jahre 272 v. U. Z.18 eingegraben. Daraus ist mit Sieherheit zu entnehmen, dass derartige Gefasse wahrend des ersten Viertels des 3. Jahrhunderts v. u. Z. bereits weit verbreitet waren. Diese Tatsaehe bietet den ausreiehenden Grund, aueh den Goldsehatz von Panagjurisehte zu dieser Zeit zu reehnen.
Auch manche anderen Besonderheiten spreehen dafьr, dass der Goldsehatz zur bereits fortgesehrittenen hellenistisehen Kunst gehort: die durehweg in sehr hohem Relief gearbeiteten Darstellungen unterseheiden sieh von denen auf den aIteren Metallgefassen der Klassik.
Die Untersuehung fьhrt zu folgendem Sehluss: Sehmuek und Haartraeht, Gestaltung von Stimmungen und Gefьhlen, Darstellung von Rassemerkmalen der Mensehen und Tiere, Ausfьhrung der Verzierungen im Hoehrelief und Realien zeigen,
dass der Goldsehatz von Panagjurisehte frьhestens zu Anfang des 3. Jahrhunderts v. u. Z. in Kleinasien entstanden ist.
Die Darstellungen auf den Gefassen behandeln grieehisehe Stoffe, die lnsehriften sind in grieehiseher Spraehe, mit grieehisehen Buehstaben und Zahlen abgefasst. Daraus ist zu sehliessen, dass der Sehatz in einem grieehisehen Zentrum entstand. Ein Teil der lnsehriften, z. B. am Hals der Rhyta Nr. 1, 3 und 4, teilen die Namen der abgebildeten Ootter mit. Die punktierte Unie und Kьrze der lnsehriften liefern keine wesentliehen Angaben. Der Buehstabe 1t wird mit einem kьrzeren Balken, der
Buehstabe 0 im Vergleieh zu den ьbrigen, stets kleiner gesehrieben. Einen wei
teren Hinweis fьr die Datierung bietet var allem der Buehstabe 'P, der in der Form
der Insehriften ailS dem Jahre 260 v. U. Z.19 vorkommt. Die Insehriften enthalten aueh nient weniger aufsehlussreiche spraehliehe Besonderheiten. Der Name Heras HPH auf dem Rhyton Nr. 4 ist in der ionisehen Mundart der Grieehen Kleinasiens gesehrieben, ein weiterer Hinweis auf den ostliehen, kleinasiatisehen Ursprung des
Sehatzes. Derselbe Name lautet aber auf dem Rhyton Nr. 1 HPA und entspricht der attisehen Mundart. Wie bereits erwahnt, unterseheidet sieh das Rhyton Nr. 4 von den ьbrigen drei Rhyta dureh die Form, da es nient in einen Tierkopf, sondern in der Vorderan sieht eines Tieres (Protome) auslauft. Die darauf dargestellten Gotter sind wahl von anderer Hand gearbeitet: die Gewander fa lIen in grosseren Falten, die Gesiehter zeigen eine gewisse Grobsehlaehtigkeit und Strenge, die bel den ьbrigen Gestalten fehlt. Die mundartlieh versehiedenen Insehriften sind ein weiteres Merkmal, wodureh sien das Rhyton Nr. 4 von den ersten dreien unterseheidet. ln der Klassik wьrde ein derartiger Untersehied einen unzweideutigen AnhaItspunkt dafьr liefern, dass die Gefasse nient in ein und demselben Ort entstanden. Attisehe Insehriften mьssten ailS Gebieten kommen, in den en die attisehe, ionisehe, in den en die ionisehe Mundart gesproehen wird. ln der hellenistisehen Epoehe hat dieser Grundsatz aber keine Gьltigkeit. Um das Ende des 4. Jahrhun
derts v. u. Z. ist die attisehe Mundart die Grundlage der ьberall verbreiteten
griechischen Sprache. Attische Formen kommen immer haufiger in Kleinasien var und verdrangen allmahlich die alten ionischen. Infolge der Vermischung der' ionischen und attischen Mundart in Kleinasien sind ailS diesem Raum attische Sprachformen zu erwarten. Dagegen kлmnen keine Inschriften in ionischer Mundart ailS Athen stammen. Manche Wissenschafler vermuten, dass der Goldschatz von Pana
gjurischte in Athen entstand. Die vorangehenden Ausfьhrungen zeigen aber, dass diese Annahme, infolge der in ionischer Mundart abgefassten Inschriften, ausgeschlossen ist. Einige Forscher betrachten den Goldschatz aIs zusammengehorenden Gefasssatz. Sie nehmen an, dass er aIs einheitliches Service enstand 2°. Der Form
und Stilunterschied in den Verzierungen am Rhyton Nr. 4 und den ьbrigen sowie die mundartliche Fassung der Inschriften wei sen unzweideutig darauf hi n, dass die Gefasse nicht von einer Hand stammen. Der Meister, der das Rhyton Nr. 4 schuf, wird wahl eine Vorstellung von den ьbrigen drei gehabt haben. Er hat sie aber weder gesehen, noch ein ahnelndes Rhyton schaffen wollen. Viel wesentlicher fьr die Untersuchung
des Goldschatzes sind die Inschriften auf der Phiale und Amphora. Sie haben, wie bereits erwahnt, einen vollig verschiedenen Inhalt, da sie das Gewicht der zwei Gefasse bezeichnen. Es ist nicht mit Sicherheit festzusteIlen, warum nur auf diesen zwei Gefassen das Gewicht angegeben ist. Die Gewichtsbezeichnung der zwei grossten
Gefasse des Schatzes ware erklarlich, wenn sie nicht Teilstьcke eines ganzen Services oder eines Auftrags, sondern fьr den Markt mit der Gewichtsangabe versehen sind. Die Phi ale unterscheidet sich von den ьbrigen Gefassen in der Farbe des Goldes und dem Sujet der Verzierungen. Es ware viel eher ein Staff ailS dem griechischen
Gotterglauben oder ailS der Mythologie, wie auf den ersten vier Rhyta und der
Amphora, aIs die Darstellung von Negerkopfen in konzentrischen Kreisen zu erwarten. Bemerkenswert ist auch, dass das Gewicht mit den Zahlen des alten akrophonischen Systems angegeben ist, das von der alexandrinischen Wissenschaft nach der Herrschaft Alexanders des Grossen abgeschafft wurde. Die Einfьhrung des alphabetischen Systems fьr die Bezeichnung von Zahlen erfolgte zu einem unbekannten Zeitpunkt. Es steht aber test, dass es um die Mitte des 3. Jahrhunderts bereits fьr die Abfassung von Urkunden Verwendung fand, wie ailS makedonischen Dekreten ailS dem Jahr 24721 hervorgeht. Demnach ware anzunehmen, dass die Ersetzung des einen Systems durch das andere in der ersten HaUte des
3. Jahrunderts22 erfolgte. Die Zahl, die das Gewicht der Amphora angibt, ist bereits nach dem neuen alphabetischen System geschrieben. Wenn aIle Gefasse in derselben Werkstatt aIs zusammengehorendes Trinkgeschirr gearbeitet waren, konnte
wahl manche Verschiedenheit bestehen, jedoch keinesfalls in der Schreibung der Zahlen. Zwischen der Herstellung der Phiale und der Amphora liegt offenbar ein langerer Zeitraum, in dem das neue System der Zahlenschreibung das alte abloste. Die Inschrift [tu auf der Phiale ist wahrscheinlich der abgekьrzte Name eines ihrer Besitzer. Die ьbrigen Gefasse tragen nicht dass_lbe Zeichen. Demnach hat die Phiale einen langen Weg zurьckgelegt, ehe sie zum Goldschatz von Panagju
rischte gehorte. Sie ist frьher entstanden, mit den Zahlen des alteren Systems bezeichnet und hat wahrscheinlich einem anderen Besitzer gehort, der die Anfangsbuchstaben seines Namens in das Gold einritzte. 20
21
Die alten Volker verwendeten Mьnzen ais kleine Gewichte. Ais Gewichtseinheit fьr Gold galt die Goldmьnze Stater, fьr Silber die Silberdrachme, fьr geringere Gewichte die kleineren Mьnzen, var allem der Obolos, der ein Sechstel der Drachme betrug. Die einzelnen Gebiete Griechenlands bedienten sich verschiedener Mьnzen und Gewichte. Viele griechische Stadte in Kleinasien ьbernahmen Jas persische Mьnz- und Gewichtssystem. Mit der Zeit wurden aIle Systeme abgeandert und berichtigt. Oaher haben nach ein und demselben System, jedoch zu verschiedener Zeit gepragte Mьnzen ein unterschiedliches Gewicht. Oiese Besonderheiten des Mьnz- und Gewichtssystems im Altertum klaren haufig den Ursprung von Mьnzen oder Funden auf, falls Jas Gewicht, wie an den zwei untersuchten Gefassen, in einer antiken Einheit angegeben ist.
Zwei Zeichen geben Jas Gewicht der Phiale an. Das erste H bedeutet die Zahl 100. Danach wog die Phiale hundert Gewichtseinheiten. Gegenwartig wiegt sie 845,7 Gramm, die durch hundert geteilt Jas Gewicht eines -ooldstaters und Jaillit die alte Gewichtseinheit ergeben. Foiglich wog ein Goldstater, nach dem Jas Gefass gewogen wurde, 8,457 Gramm. Der einzige Stater, der sich dieser Gewichtseinheit nahert, ist der persische oder sogenannte Dareikos 23 von rund 8,40 Gramm. Die in griechischen Stadten gepragten Dareikoi haben dasselbe Gewicht. Daraus geht eindeutig hervor, dass die Phiale des Goldschatzes von Panagjurischte in Dareikoi gewogen ist. Dies kann nur in einer Stadt erfolgt sein, die innerh:1lb der Grenzen Persiens lag oder mindestens var allem mit Persien in Handelsbeziehungen stand und sich daher persischer Mьnz- und Gewichtseinheiten becliente. Wesentlich ist dabei, dass die fьr die Gewichtsbestimmung der Phiale verwendete Einheit um 0,05 bis 0,06 Gramm grosser ais die persische ist. An der ganzen Kьste Kleinasiens ist nur eine Stadt bekannt, die Statere mit einem hoheren Gewicht aIs dem Dareikos verwendete: die Stadt Lampsacus, am sьdlichen Ufer der Dardanellen. Die Statere aus Lampsacus, deren Gewicht gewohnlich auf 8,44 oder 8,488 Gramm abgerundet wurde, erfreuten sich in der Antike grossen
Vertrauens. Da diиses Gewicht sich der Gewichtseinheit der Phiale am meisten annahert, ist sie in Lampsacus-Stateren gewogen und in der Stadt Lampsacus entstanden.
Die zweite Inschrift gibt Jas in Drachmen umgerechnete Gewicht der Phiale an, obwohl sie aIs Silbergewichte verwendet wurden. Daher ist var den Zeichen ab
sichtlich Jas Drachmensigel eingetragen. Die Zahl bedeutet 196 Drachmen und ein Viertel Obolos. Da der Obolos ein Sechstel der Drachme betragt, belauft sich ein Viertel Obolos auf ein VierundzwanzigsteI der Drachme. Das Grammge
wicht der Phiale dividiert durch die Anzahl der Drachmen: . 845,7 1 ergibt demnach
196 + 24
Jas Drachmengewicht von 4,313 Gramm. Es nahert sich weitgehend der attischen Drachme von 4,36 Gramm an, deckt sich aber nicht mit ihr. Die an der Phiale angegebene Drachme ist, folglich, nach dem attischen System gewogen.
Die Verwiegung der Phiale in persischen, d. h. in Lampsacus-Stateren, und darauf in attischen Drachmen ist nur in Kleinasien moglich. Das attische System hat in diesem Raum Jas persische ersetzt. Bemerkenswert ist dabei, dass die Phiale nicht
in Gold (in Stateren), sondern in Silber (in Drachmen), verwogen wurde. Vermutlich ist daher die zweite Verwiegung nach der Regierungszeit Alexanders des Grossen vorgenommen worden. Nach der Verarmung im 3. Jahrhundert v. u. Z. verschwanden bald die Goldmьnzen. AIs Mьnzeinheit blieb die Silberdrachme ьbrig. Die Inschrift auf der Amphora ist noch aufschlussreicher. Sie wiegt heute 1695,25 Gramm, nach der Inschrift 200 Statere, 1/2 Drachme und 1 Obolos. Eine halbe Drachme und 1 Obolos (2,8 + 0,94) sind gleich 3,74 Gramm. Nach Abzug von dem Gesamtgewicht (1695,25 - 3,74), betragt die Zahl 1691,51. Dies ist das Gewicht von 200 Stateren. Folglich wie
g
t 1 Stater . l__.__- = 8,457 . . . Gramm. Die
200
Amphora ist also na ch derselben Gewichtseinheit von 8,457 Gramm = 1 Lamp
sacus-Stater verwogen wie die Phiale. Dies beweist, dass auch die Amphora in Lampsacus gearbeitet wurde.
Die epigraphischen Angaben decken sich, folglich, vollstandig mit den Ergebnissen der Stiluntersuchung. Die Inschriften mit den Gotternamen sprechen eindeutig fьr den ionischen Ursprung des Goldschatzes und dessen Entstehung in der ersten Halfte des 3. Jahrhunderts. Das nach dem persischen System bestimmte Gewicht der Gefasse verweist eindeutig auf einen OTt in Kleinasien, die Verwendung des alphabetischen Zahlensystems auf das 3. Jahrhundert. Dadurch ist aIs Entstehungsart des Goldschatzes mit Sicherheit Lampsacus zu betrachten.
Alle Angaben, die der Goldschatz liefert, ьberzeugen davon, dass die Gefasse keine Teile eines einheitlichen Trinkgeschirrs sind. Die gleichzeitige Verwendung der attischen und ionischen Mundart, die Zahlenschreibung nach dem akrophonischen und alphabetischen Grundsystem, der Gebrauch des persischen und makedonischen Gewichtssystems sind schwer zu erklaren. Offensichtlich wurde der Schatz, wie die meisten Schatze im Altertum, allmahlich erworben. Dies ist um so wahrscheinlicher, da er einen ьberaus hohen materiellen Wert hat. Daraus ware sogar die Reihenfolge zu bestimmen, in -der die einzelnen Gefasse gesammelt sind.
Der Ankauf der aIs Untersatz dienenden Phiale hatte einen Sinn, wenn bereits mehrere Rhyta zum Geschirr gehoren. Die Rhyta Nr. 5, 6 und 7 in der Form von Amazonenkopfen ahneln der Amphora und bilden eine Einheit. Wie auf der Amphora, ist auch der abgerundete Teil der Rhyta ausgeschmьckt, der Hals dagegen nicht verziert. Die Trinkoffnung ist an den Rhyta im Lowenmaul, an der Amphora im Negermund angebracht. Diese Аhnlichkeit veranlasst zur Vermutung, dass die vier Gefasse ein einheitlicher Geschirrsatz sind und aIs geschlossener Bestandteil zum Goldschatz gehoren. Der Besitzer bestellte wahl die Rhyta, nachdem er die Amphora gekauft hatte. Dadurch entstand ein Satz ailS zusammengehorenden Gefassen. Da die Amphora, der alphabetischen Gewichtsbezeichnung zufolge, spater aIs die Phiale entstand, ist dieser ganze Satz wahrscheinlich nach der Phiale gekauft worden.
Da sie aIs Untersatz der Rhyta dient, kaon aber die Phiale nicht das atteste Gefass des Fundes sein. Daher ist sie wahl spater, nach der Erwerbung der Rhyta in Tierkopfform, hinzugekommen. Die genaue Betrachtung der Darstellungen auf den Rhyta und der Amphora zeigt einen bedeutenden Unterschied in der
Ausfьhrung. An den vier Rhyta sind die Gottergestalten nicht um einen Mittel- 22
in Gold (in Stateren), sondern in Silber (in Drachmen), verwogen wurde. Vermutlich ist daher die zweite Verwiegung nach der Regierungszeit Alexanders des Grossen vorgenommen worden. Nach der Verarmung im 3. Jahrhundert v. u. Z. verschwanden bald die Goldmьnzen. AIs Mьnzeinheit blieb die Silberdrachme ьbrig. Die Inschrift auf der Amphora ist noch aufschlussreicher. Sie wiegt heute 1695,25 Gramm, nach der Inschrift 200 Statere, 1/2 Drachme und 1 Obolos. Eine halbe Drachme und 1 Obolos (2,8 + 0,94) sind gleich 3,74 Gramm. Nach Abzug von dem Gesamtgewicht (1695,25 - 3,74), betragt die Zahl 1691,51. Dies ist das Gewicht von 200 Stateren. Folglich wiegt
1 Stater . l__.__- = 8,457 . . . Gramm. Die
200
Amphora ist also na ch derselben Gewichtseinheit von 8,457 Gramm = 1 Lamp
sacus-Stater verwogen wie die Phiale. Dies beweist, dass auch die Amphora in Lampsacus gearbeitet wurde.
Die epigraphischen Angaben decken sich, folglich, vollstandig mit den Ergebnissen der Stiluntersuchung. Die Inschriften mit den Gotternamen sprechen eindeutig fьr den ionischen Ursprung des Goldschatzes und dessen Entstehung in der ersten Halfte des 3. Jahrhunderts. Das nach dem persischen System bestimmte Gewicht der Gefasse verweist eindeutig auf einen OTt in Kleinasien, die Verwendung des alphabetischen Zahlensystems auf das 3. Jahrhundert. Dadurch ist aIs Entstehungsart des Goldschatzes mit Sicherheit Lampsacus zu betrachten.
Alle Angaben, die der Goldschatz liefert, ьberzeugen davon, dass die Gefasse keine Teile eines einheitlichen Trinkgeschirrs sind. Die gleichzeitige Verwendung der attischen und ionischen Mundart, die Zahlenschreibung nach dem akrophonischen und alphabetischen Grundsystem, der Gebrauch des persischen und makedonischen Gewichtssystems sind schwer zu erklaren. Offensichtlich wurde der Schatz, wie die meisten Schatze im Altertum, allmahlich erworben. Dies ist um so wahrscheinlicher, da er einen ьberaus hohen materiellen Wert hat. Daraus ware sogar die Reihenfolge zu bestimmen, in -der die einzelnen Gefasse gesammelt sind.
Der Ankauf der aIs Untersatz dienenden Phiale hatte einen Sinn, wenn bereits mehrere Rhyta zum Geschirr gehoren. Die Rhyta Nr. 5, 6 und 7 in der Form von Amazonenkopfen ahneln der Amphora und bilden eine Einheit. Wie auf der Amphora, ist auch der abgerundete Teil der Rhyta ausgeschmьckt, der Hals dagegen nicht verziert. Die Trinkoffnung ist an den Rhyta im Lowenmaul, an der Amphora im Negermund angebracht. Diese Аhnlichkeit veranlasst zur Vermutung, dass die vier Gefasse ein einheitlicher Geschirrsatz sind und aIs geschlossener Bestandteil zum Goldschatz gehoren. Der Besitzer bestellte wahl die Rhyta, nachdem er die Amphora gekauft hatte. Dadurch entstand ein Satz ailS zusammengehorenden Gefassen. Da die Amphora, der alphabetischen Gewichtsbezeichnung zufolge, spater aIs die Phiale entstand, ist dieser ganze Satz wahrscheinlich nach der Phiale gekauft worden.
Da sie aIs Untersatz der Rhyta dient, kaon aber die Phiale nicht das atteste Gefass des Fundes sein. Daher ist sie wahl spater, nach der Erwerbung der Rhyta in Tierkopfform, hinzugekommen. Die genaue Betrachtung der Darstellungen auf den Rhyta und der Amphora zeigt einen bedeutenden Unterschied in der
Ausfьhrung. An den vier Rhyta sind die Gottergestalten nicht um einen Mittel- 22
punkt angeordnet, sondern stehen erstarrt, ohne gegenseitige Beziehung zueinander da. An der Amphora ist, dagegen, eine einheitliche Komposition, eine Verbindung der Gestalten durch die rasche Bewegung zu erkennen. An den Rhyta sind die Gestalten immer noch bekleidet, wahrend an der Amphora, wie in der spateren heIlenistischen Kunst, der Faltenwurf aIs Hintergrund dient, von dem sich der nackte Korper deutlicher abhebt. Die Amphora zeigt schliesslich das mannliche Schonheitsideal der hellenistischen Epoche: ьbertrieben dargestellte Muskeln, verweichlichter, fast weiblicher Korper. Demnach sind die Rhyta etwas alter aIs die Amphora. Die Zusammensetzung des Goldschatzes von Panagjurischte erfolgte wohl in der nachstehenden Reihenfolge: zuerst erwarb der Besitzer wohl die drei Rhyta in Tierkopfform, danach das Rhyton Nr. 4 und schliesslich die nicht mit den ьbrigen Gefassen unmittelbar aus der Werkstatt, sondern aus zweiter Hand bezogene Phiale. AIs Ietzte kamen die drei Rhyta in der Form von Amazonenkopfen und die Amphora hinzu. Abgesehen von der Reihenfolge des Ankaufs, sind aIle Gefasse dieses einzigartigen Schatzes Werke der heIlenistischen Kunst in Kleinasien nach der Regierungszeit Alexanders des Grossen (336 bis 323 v. u. Z.).
AIs Kunstdenkmal ist der Goldschatz von Panagjurischte nicht mit den schonen aus den thrakischen Hьgelgrabern geborgenen Bronze- und Silbergefassen der attischen Toreutik des 5. und 4. Jahrhunderts v. u. Z. zu vergleichen. Einige Mangel der Darstellungen auf den Goldgefassen wurden, in Verbindung mit der Gestaltung des nackten Korpers, bereits erwahnt, ohne damit diese Frage zu erschopfen. Gotter sind stets in den ьberlieferten, auf ein festgesetztes Schema zurьckgehenden Korperhaltungen wiedergegeben. Am Rhyton Nr. 1 haIt Athene einen Helm in der Hand; Hera sitzt auf einem Thron; Aphrodite ordnet ihr Gewand; Paris streckt den Arm aus. Nicht die Gestalt des Gottes, sondern das hellenistische Schema der Gotterbilder erforderte diese Darstellung. Noch schematischer sind Herakles und Theseus (Rhyton Nr. 2), Dionysos und Eriope (Rhyton Nr. 3), die vier, durch keinen bestimmten Stoff miteinander verbundenen Gotter (Rhyton Nr. 4) abgebildet. Auch an der Amphora ist Аhnliches zu beobachten. Die gesamte Ausfьhrung des Goldschatzes verweist auf die Arbeit von Werkstatten in einem Randgebiet der alten Welt, wie die in Lampsacus.
Der Goldschatz von Panagjurischte ist in einem Gebiet entstanden, in dem zu jener Zeit die persische Toreutik mit der griechischen zusammenstiess. Die Versuche, Stimmungsmomente wiederzugeben, die Gesichtszьge durch den Ausdruck eines Gefьhls zu beleben, die Beschaftigung mit den Einzelheiten der Kleidung, mit der Rassenzugehorigkeit von Mensch und Tier, die schematische, ungenaue Arbeit des Meisters, die Vermischung ionischer und attischer Sprachformen in der Rechtschreibung, die Verwendung des akrophonischen und alphabetischen Systems sowie des persischen und attischen Systems in der Gewichtsbezeichnung sind Merkmale, die zum ersten Mal na ch der Regierung Alexanders des Grossen (336 bis 323 v. u. Z) auftreten und gegen die .Entstehung des Goldschatzes
23 in dieser Epoche sprechen. Oaher ist das Ende des 4. oder der Anfang des
3. Jahrhunderts v. u. l. die wahrscheinlichste Entstehungszeit. Ein derart wertvoller Schatz war wahl kaum in kurzer leit zu erwerben. Er wiegt 6,100 Kilogramm, die der zehnfachen Menge, d. h. 61 Kilogramm Silber entsprechen. Ein derartiger Fund ist weder in Thrakien noch in einem anderen Land bekannt. Wahrscheinlich erwarb der Besitzer zuerst die Phiale und die drei Rhyta in Tierkopfform und mindestens zwanzig oder dreissig Jahre spater die Amphora mit den drei Rhyta in der Form von Amazonenkopfen. Die persischen oder achamenidischen Merkmale der Verzierungen sowie das persische Gewichtssystem verweisen eher
auf die Entstehungszeit im 4. Jahrhundert v. u. l., in dem die persischen Traditionen noch lebendig waren. Die hellenistischen Merkmale und die alphabetische lahlenschreibung verlegen sie dagegen in das spatere 3. Jahrhundert v. u. l., jedoch nicht nach dem Jahre 278 v. u. l., aIs die Erwerbung eines derartigen Schatzes, infolge des Einfalls der Kelten in Thrakien, unmoglich war-.
Der Goldschatz von Panagjurischte ist in den letzten Jahren dieser ereignisreichen Epoche entstanden. Er gehort zu eiDer leit, in der die alte Welt zusammenbricht, die Grenzen zwischen den einzelnen Kulturen verschwinden und der Mensch im
Schatten des Hellenismus lebt. ln der sich rasch entwickelnden neuen Welt gehen mit den alten Ideen auch die Grundsatze der alten Kunst, die edle Schlichtheit und stille Grosse zugrunde. Die JUS dem Norden, JUS Makedonien und Thrakien einfallenden Barbaren bringen ihren barbarischen Oeschmack mit. Die Sieger ьber die
alte Welt haben keinen Sinn fьr Oediegenheit, sondern fьr das Aussergewohnliche, keine Neigung zur Schlichtheit, sondern zur ьberladenen Form. Sie ergotzen sich an prunkvoller Pracht und buntem Farbenreichtum. Allen diesen Merkmalen entspricht der Geschmack, der diesen einzigartigen Schatz schuf. Die Formen spiegeln die Epoche der machtvollen Makedonier. Auf die Frage, zu welcher leit
der Goldschatz von Panagjurischte gehort, ob er in der klassischen Epoche der griechischen Kunst in Europa und achamenidischen in Kleinasien oder in der Epoche der makedonischen Macht und hellenistischen Kultur entstand, deren Grenze die Regierungszeit Alexanders des Grossen (336 bis 323 v. u. l.) bildet, ist Dur eine einzige Antwort zu erteilen: Dem Wesen nach ist der Goldschatz
von Panagjurischte ein hellenistischer Schatz.
An Pracht und Reichtum ьbertreffen die Gefasse alle bisherigen thrakischen Funde.
Ein 6 Kilogramm wiegendes Trinkgeschirr ailS Gold ьbersteigt die Verhaltnisse des reichen Thrakers. Offensichtlich ist es ein Konigsschatz, ein bedeutender, geheimnisvoller Fund, wie alle, die JUS dieser leit der grossen, aussergewohnlichen Personlichkeiten und Taten stammen. Der Eigentьmer, wahl ein thrakischer Herrscher und Mitstreiter des Lysimachos in seinen Feldzьgen gegen Kleinasien, haоdie neun Gefasse in Lampsacus in eiDer leit gekauft, in der der leicht erworbene Reichtum ebenso leicht verloren ging. Die Konigreiche verschwanden ebenso rasch,
wie sie entstanden. Dieses Schicksal haо wahl auch den Besitzer des Goldschatzes ereilt. Er verliess das Gebiet seiner Herrschaft, sein Heim, um in dem abgelegenen Gebirge, beim heutigen Stadtchen Panagjurischte, ein Obdach zu suchen. Doch
die Gefahr folgte ihm auf den Fersen. Daher grub er das ungewohnliche Geschirr
ein und nahm dessen Geheimnis ins Orab. Wahrscheinlich spielte sich dieses
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Ereignis bald nach dem Jahre 278 v. u. Z. ab, aIs die Kelten zum ersten Mal eindrangen, oder wenige Jahre spater, aIs sie auch diese unnahbaren Gebiete eroberten. Oadurch blieb eines der bemerkenswertesten Werke der Toreutik des AItertums bis zu unserer Zeit erhalten.
Die _edeutung des Goldschatzes von Panagjurischte besteht nicht in der gediegenen Arbeit, in dem verwendeten glanzenden Material oder in den eigentьmlichen Formen, obwohl auch diese Leistungen Aufmerksamkeit verdienen. Er entstand in einem entfernten Ort, am Rande der griechischen Welt, in Lampsacus, einer Stadt der Propontis, in Mysien, in Kleinasien, zwischen den zwei grossen thrakischen Gebieten, dem kleinasiatischen Bithynien und Thrakien auf der Balkanhalbinsel. Daher ist er eines der seltenen Denkmaler der hellenistischen Toreutik ailS diesem Teil der antiken WeIL Der Schatz entstand in einer Stadt, die Griechen und Barbaren bewohnten, in den griechischen Kolonien am Marmarameer.
Unter den zahlreichen Metallgefassen ailS dem alten Thrakien werden viele aIs Werke der attischen Werkstatten betrachtet. Andere entstanden vermutlich in den grossen Stadten Kleinasiens. Die barbarische Ausfьhrung einer Reihe von Gefassen entspricht aber weder der einen noch der anderen Gruppe. Anhand des Gold
schatzes von Panagjurischte stellt diese Untersuchung zum ersten Mal den Ur
sprung eines Teils der barbarischen Gefasse test. Sie entstanden in Lampsacus, einem Zentrum der alten Propontis. Nicht nur in Lampsacus, sondern auch in den anderen blьhenden Stadten dieses Gebiets an der Kьste Kieinasiens und Thrakiens sind die reichen Zentren der antiken Toreutik zu suchen. Daher ist der Goidschatz von Panagjurischte nicht nur aIs einzigartiger Fund, sondern auch aIs bedeutendes Oenkmai zu betrachten, das eine Vorstellung von der Kunst in den sьdlichen Randgebieten des alten Thrakiens vermittelt.
VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN
Abb. 1 Oer Goldschatz van Panagjurischte
Abb. 2 Rhyton Nr. ], Athene und Paris
Abb. 3 Rhyton Nr. ], Athene, Paris und Hera
Abb. 4 Rhyton Nr. 1, Paris, Hera und Aphrodite
Abb. 5 Teilansicht des Rhytons Nr. ], Hera und Aphrodite
Abb. 6 Rhyton Nr. 2, Theseus
Abb. 7 Rhyton Nr. 2, Theseus, Herakles, Stierkopf und Elchkopf
Abb. 8 Rhyton Nr. 2, Herakles
Abb. 9 Rhyton Nr. 3, Tanzende Bacchantin und Dionysos
Abb. 10 Rhyton Nr. 3, Dionysos und Eriope
Abb. 11 Rhyton Nr. 3, Eriope und eine Bacchantin
Abb. 12 Rhyton Nr. 4, ApoIJo und Hera
Abb. 13 Rhyton Nr. 4, Teilansicht, Nike
Abb. 14 Rhyton Nr. 4, Hera und Artemis
Abb. 15 Rhyton Nr. 4, Nike, Apollo und Hera
Abb. 16 Rhyton Nr. 4, Das Innere des Rhytons
Abb. 17 Rhyton Nr. .5
Abb. 18 Rhyton Nr. .5
Abb. 19 Rhyta Nr. 7, 6 und .5
Abb. 20 RhytonNr.6
Abb. 21 RhytonNr.6
Abb. 22 RhytonNr.7
Abb. 23 RhytonNr.7
Abb. 24 Rhyta, 7, 6 und .5
Abb. 25 Amphora-Rhyton
Abb. 26 Amphora-Rhyton, Teilansicht der Hauptszene: Das Tor und erster angreifender Soldat
Abb. 27 Amphora-Rhyton, Teilansicht der Hauptszene: Erster und zweiter Soldat
Abb. 28 Amphora-Rhyton, Teilansicht der Hauptszene: Dritter und vierter angreifender
Soldat
Abb. 29 Amphora-Rhyton
Abb. 30 Amphora-Rhyton, Teilansicht: Zwei Helden im Gespriich
Abb. 31 Amphora-Rhyton, Teilansicht: Zwei Helden im Gespriich und der Hornbliiser
Abb. 32 Amphora-Rhyton, Teilansicht des Bodens: Negerkopf mit Trinkoffnung
Abb. 33 Amphora-Rhyton, Teilansicht des Bodens: Das Kind Herakles totet zwei Schlangen
Abb. 34 Amphora-Rhyton, Teilansicht des Bodens: SHell
Abb. 35 Phiale, AuBenseite
Abb. 36 Phiale, Teilansicht der AuBenseite
Abb. 37 Phiale, Teilansicht der Innenseite
Abb. 38 Phiale, Innenseite




